Stress im Alltag, wie beeinflusst Stress unsere Gesundheit?

Stress kann das Leben erheblich und auf vielfältige Weise beeinflussen, etwa die körperliche und geistige Gesundheit. Darüber hinaus kann Stress zu schwerwiegenderen Problemen wie Depressionen und Burn-out führen. Dies trifft besonders zu, wenn Du Belastungen oder Überforderungen immer wieder erlebst und diese chronisch werden.


Alltägliche private Stressfaktoren

Du kennst wahrscheinlich alle Arten von kleinen und großen Ärgernissen, die Du in deinem täglichen Leben erlebst. Einige hätten vermieden werden können, andere passieren Dir und es gibt wenig oder nichts, was Du dagegen tun kannst:


Was ist Stress?

Viele dieser Dinge geschehen mit Dir, ohne dass du sie wahrnimmst. Andere Dinge nimmst Du wahr und bewertest sie als negativ. Sie lösen etwas in Dir aus. Nichts hat eine Bedeutung, außer der Bedeutung, die Du ihm selbst gibst. Was der eine Mensch als Stress erlebt, ist eine schöne Herausforderung für den anderen. Stress besteht eigentlich aus Angst. Wo wärst Du jetzt, wenn Du Dich nicht von einschränkenden Gedanken beeinflussen lassen würdest? Wie wäre es mit Deiner Gesundheit, mit Deinem Kontakt zu Freunden und Deiner Familie? 

Lass und zunächst schauen, was mit dem Begriff "Stress" konkret gemeint ist. Stress hat viele verschiedene Definitionen und ist bis heute ein vager Begriff in der Literatur. Es kann eine reale oder wahrgenommene Bedrohung gemeint sein, oder auch der Art und Weise, wie eine Person auf ein Stressereignis reagiert. Biomedizinisch gesehen wird Stress als eine Situation beschrieben, in der bestimmte Stresshormone, wie Cortisol, im Körper ausgeschüttet werden. Es gibt auch Meinungsverschiedenheiten darüber, was Stresserleben verursacht. Stress kann sehr allgemein als eine Reaktion auf jeden Reiz oder jede Bedingung beschrieben werden, die Spannungen verursacht, aber auch im engeren Sinne als eine Reaktion auf einen negativen oder unangenehmen Reiz.

Das Stimulusmodell

Laut dem Stimulusmodell hat Stresserleben ursprünglich eine physikalische Bedeutung, als eine Kraft, die auf einen Körper wirkt. Stimulus meint hierbei einen Reiz oder eine Situation, die auf Dich einwirkt, wie beispielsweise ein zu spät kommender Bus, Lärm, Konflikte, eine neue Aufgabe. Hierbei ist es aber wichtig, dass Stress nicht nur eine Funktion objektiver Bedingungen ist, sondern auch eine Funktion der inneren Wahrnehmung und subjektiver Faktoren, wie die Fähigkeit, die Geräuschquelle zu kontrollieren. Dennoch scheint es möglich zu sein, Bedingungen zu finden, die für die meisten Menschen als stressig empfunden werden. Geräusche und Krach stört beispielsweise sehr viele Menschen, wenn eine gewisse Intensität erreicht wird.


Es gibt auch positive Stressoren

In der weit gefassten Beschreibung kann selbst eine angenehme Situation, die Spannungen erzeugt, wie z.B. eine Hochzeit oder das Wegfahren in den Urlaub, als Stress interpretiert werden. Dies sind dann positive Stresssituationen; die sind eigentlich angenehm und wir freuen uns darauf, aber der Körper reagiert auch mit Stresshormonen. Positiver Stress entsteht auch, wenn man sich geistig und körperlich auf einen Wettkampf, eine besondere Leistung am Arbeitsplatz usw. vorbereitet. Häufig werden solche positiven Herausforderungen als Eustress bezeichnet. Dieser "gute Stress" spielt eine wichtige Rolle für die Leistung des Einzelnen, weil wir uns dann besonders viel Mühe geben und und oftmals besser fokussieren können. Das bedeutet aber auch, dass es gar nicht erstrebenswert ist, niemals Anspannung oder Stressempfindungen zu spüren. Denn dann gäbe es auch nichts, was uns gewissermaßen hervorlockt und reizt, was uns herausfordert und unsere Leistungsbereitschaft in die Höhe treibt.


Das optimale Stressniveau

Diese Idee eines optimalen Stressniveaus entstand aus dem Yerkes-Dodson-Gesetz. Nach diesem Gesetz scheint es ein optimales Maß an Stress zu geben, das maximale Leistung bringt. Wenn es keinen oder zu wenig Stresserleben gibt, ist das Leistungsniveau niedrig. Ist dagegen der Stress oder die Erregung zu hoch, ist der Mensch überfordert und die Leistung sinkt. Nach einiger Zeit verschwindet diese Spannung wieder und der Körper kehrt in einen Ruhezustand zurück.

Emotionale Stressoren sind in der Regel negative Reize oder Situationen, die starke Emotionen wie Angst, Traurigkeit oder Wut hervorrufen. Beispiele sind: Bestrafung, Gefährdung, Nichterfüllung einer bestimmten Anforderung und der Verlust eines geliebten Menschen. Kurz gesagt: Situationen, die die Grundbedürfnisse der Menschen gefährden, wie Sicherheit, Gesundheit, Liebe und die eigene Existenz. Langfristige geistige Anstrengung und Arbeitsdruck zum Beispiel scheinen im Laufe der Zeit zu Stress zu führen. Die Einführung von Ruhezeiten kann dies verhindern. Allerdings können Menschen sehr unterschiedlich auf eine erhöhte Arbeitsbelastung reagieren. So kann beispielsweise eine Person einer hohen Arbeitsbelastung standhalten, während die andere dies nicht schafft. Bei der Personalauswahl wird oft berücksichtigt, inwieweit eine Person dem Arbeitsdruck standhält.


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Was im Körper passiert

Woher weiß man, ob man wirklich unter negativem Stress leidet? Was sind Langzeit-Stress-Symptome? Und was sind die Folgen des Stresserlebens? Körperliche Beschwerden, die keinen ersichtlichen Grund haben, werden oft durch Stressverursacht. Das können leichte Beschwerden sein, die das tägliche Funktionieren wenig beeinträchtigen, aber auch schwere Beschwerden, die einem schönen und angenehmen Leben im Wege stehen.

Du gehst durch einen Wald und plötzlich springt ein großes Tier aus dem Gebüsch. Natürlich wirst Du Angst haben! Wie reagiert Dein Körper? Du triffst schnell die Entscheidung: Laufe ich weg? Dein Körper bereitet sich auf Gegenwehr vor, auf Flucht oder Kampf. Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller, es gelangt mehr Energie zu den Zellen - Dein Körper will überleben und das setzt viele Prozesse in Gang. Das ist die schnelle Stressreaktion, die Dich darauf vorbereitet, im Notfall schnell zu reagieren. Nach einiger Zeit wird dann Cortisol ausgeschüttet. Dieses Hormon wirkt länger im Körper und fördert beispielsweise die Immunabwehr. Biologisch gesehen kann das sinnvoll sein, etwa wenn der Mensch durch Stress auch mit Keimen konfrontiert wird, die der Körper bekämpfen muss.

Beide Stresssysteme sind sehr nützlich, weil sie es uns ermöglichen, in Notsituationen angemessen zu handeln. Das Problem ist, dass unser menschliches Gehirn nicht nur die Stresssysteme aktiviert, wenn wir auf gefährliche Tiere treffen. Nein, dank unseres Bewusstseins reagieren wir auch auf Bedrohungen psychologischer Natur. Und da sitzen wir eilig im Stau, perfekt vorbereitet auf eine Präsentation. Oder wir müssen einen Vortrag halten, angespannt, schweißgebadet und mit einem pochenden Herzen, aber Flucht ist normalerweise keine Option. Stressbedingte Krankheiten entstehen vor allem deshalb, weil wir so oft ein physiologisches System aktivieren, das sich bei akuten physischen Notfällen bewährt hat. Auf der anderen Seite aktivieren wir es monatelang, wenn wir uns um Hypotheken, Beziehungen und Druck auf Arbeit kümmern.


Die Langzeitfolgen von Stress

Wenn ein Stressfaktor den akuten Kampf- oder Fluchtsituationen unserer evolutionären Vorfahren ähnelt, stärkt die Stressreaktion das Immunsystem zur Vorbereitung auf mögliche Verletzungen und Infektionen. Aber je mehr die Stressreaktion chronisch aktiviert wird, desto härter wird unser Immunsystem tatsächlich geschwächt. Wie bereits erwähnt, reguliert das Stresshormon Cortisol die Freisetzung von mehr Energie. Diese Energie muss von irgendwo herkommen. Wenn der Cortisolspiegel chronisch erhöht wird, reduziert unser Körper die Funktion des Immunsystems. Das macht uns auf lange Sicht anfälliger für Krankheiten. Darüber hinaus können eine chronisch erhöhte Herzfrequenz und ein erhöhter Blutdruck das Herz und die Blutgefäße schädigen.

 

Stress beeinflusst auch Dein Gehirn. Der Hippocampus - ein Gehirnbereich, der für das Lernen und Erinnern wichtig ist - funktioniert in der Regel als eine Art Stressreaktionsschalter. Der Bereich erkennt erhöhte Cortisolwerte und kehrt dann die Produktion dieses Hormons um. Chronischer Stress schadet jedoch dem Hippocampus, hält den Cortisolspiegel hoch und schädigt den Hippocampus noch mehr - ein Teufelskreis. Neben dem Hippocampus betrifft Stress auch die Amygdala, ein kleiner Bereich des Gehirns, der die Gefahr ständig im Auge behält. Wenn Du gestresst bist, wirst du in allem Bedrohungen sehen. Akuter Stress führt bereits zu einer überempfindlichen Amygdala. Der Stress der Mutter beeinflusst sogar die Gehirnentwicklung ihres Kindes. 

Stressentwicklung im Kindesalter

Extremer oder chronischer Stress in den ersten vier Lebensjahren macht Menschen anfällig für spätere Stressoren. Aber wer jetzt meint, dass es wichtig ist, Kinder so gut wie möglich zu verwöhnen, wird enttäuscht sein. Stressige Erfahrungen, die herausfordernd, aber nicht überwältigend sind, machen Kinder später widerstandsfähiger. Die Psychologie betrachtet heute Krankheiten wie Angst, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen als Folge eines gestörten Stresssystems. 

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Alle drei sind bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern, sodass man davon ausgehen kann, dass Frauen die zweifelhafte Ehre haben, stressanfälliger zu sein. Aber Männer sind anfälliger für Infektionskrankheiten, Bluthochdruck, Aggressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Wenn wir uns die hormonelle Stressreaktion ansehen, reagieren Männer mehr auf Stress als Frauen, mit mehr Cortisol und Adrenalin, zumindest wenn es um leistungsbezogene Stressoren geht, wie z.B. vor Publikum sprechen. Frauen reagieren manchmal stärker auf Stressoren zwischenmenschlicher Natur, wie z.B. soziale Ablehnung. Eine relativ neue Idee ist, dass die klassische Kampf- oder Fluchtreaktion hauptsächlich eine männliche Angelegenheit ist. Frauen, denen die körperliche Kraft fehlt, sich abzuwenden oder vor einem Angreifer zu fliehen, hätten eine andere Strategie: Sie kümmern sich mehr um die Pflege und den Aufbau und Erhalt sozialer Bindungen und ziehen es vor zu sehen, ob der Angreifer dazu gebracht werden kann, sich friedlich zu verhalten.